Vor kurzem wurde mir folgende Frage gestellt:

Ein befreundeter Bassist möchte gern mit mir jammen, doch ich bin unsicher, was ich dabei tun soll.

Hier sind meine Gedanken dazu:

Ich betrachte das Jammen als einen Spielplatz, eine Möglichkeit, neue Dinge zu entdecken und auszuprobieren. Sei unvoreingenommen gegenüber Deinen eigenen und den Ideen der anderen, lasst sie raus und gebt ihnen Zeit und Raum, sich zu entfalten, selbst wenn es auf den ersten Blick nicht exakt das ist, was Du erwartet hast.Eine gute Idee ist es, vor dem Jammen ein paar Eckpunkte festzumachen (okay, man könnte es auch Regeln nennen, denn jedes Spiel hat seine Regeln, doch Musiker hören dieses Wort nicht gern und ich möchte keine unnötigen Vorbehalte erzeugen). Zum Beispiel WER der beteiligten Musiker improvisiert WANN und WIE lange.
Hier einige Beispiele, wie ich mir die Jamsession mit dem Bassisten vorstellen kann, um dem Ganzen eine Struktur zu geben:

1. der Drummer experimentiert

  • Verständigt Euch darauf, dass der Bassist eine fest Basslinie spielt, während der Drummer verschiedene  Grooves darüber versucht und z.B. alle 8 Takte mit einer neuen Grooveidee aufwartet.
  • Mach als Drummer unbedingt mit dem weiter, was du im ersten Takt nach dem Wechsel spielst, um die Form zu halten. Es gefällt Dir nicht, was Du spielst? So hast du weitere 8 Takte das zu analysieren und mit einer neuen Idee aufzuwarten.
  • Probiere verschiedene, auch für Dich außergewöhnliche Arten zu spielen aus: Wechsle die Beckenbegleitung, brich sie auf und verteile sie auf andere Instrumente, spiele mit unterschiedlichen Dynamiken, spiele, als seist Du ein anderer – ein Kind, ein alter Mann usw.

2. der Bassist experimentiert

  • Verständigt Euch darauf, dass Du einen soliden Groove spielst, während der Bassist darüber improvisiert.
  • Bleib bei diesem Groove, während der Bass improvisiert, und nimm nur, falls Du eine Idee hast, wie sich der Groove noch besser anfühlt, kleine Veränderungen daran vor.
  • Mach Dir in Gedanken Notizen zu den Basslinien, zu Deinen Ideen und Groove. Analysiere, was Dir gefällt und was nicht, was passt und was nicht.

3. Drums und Bass experimentieren

Verständigt Euch darauf, dass ihr nun beide improvisieren könnt, d.h., jeder kann sein Spiel, seine Basslinien, Grooves etc. während des Spiels verändern.

Vereinbart ein gut erkennbares Zeichen (CUE), der dem anderen anzeigt, daß ihr mit einer neuen Idee aufwarten möchtet. Z.b. ein fetter Flam auf 1 und 3 soll dem Bassist verkünden, dass ihr mit der 1 des nächsten Taktes Tempo, Dynamik, das Feel komplett ändert – und mit dem Zeichen den Bassisten auffordert zu folgen.

Erlaubt Euch, ganz frei zu sein, Euch weg zu bewegen von dem, was man sonst spielt. Es kann passieren, dass man sich dabei total verrennt und steckenbleibt – auch das gehört zum Jammen, denn nun heißt es schnell zu reagieren und sein Spiel umzustellen. Nur so entdeckt ihr neue Ideen, die fernab des automatisierten Spiels liegen.

4. Rhythm Section Übung

Das ist der Definition nach kein Jammen, folgt es doch einem festen Song, ist aber neben dem Jammen eine großartige Übung für das Zusammenspiel der Rhythmusgruppe. Nehmt Euch einen Song vor, den ihr beide mögt, und spielt Basslinie und Drum Groove eines Parts als Loop für mindestens 10 Minuten. Bleibt dabei so nah am Original, dass dessen Charakter erhalten bleibt und konzentriert Euch auf das Zusammenspiel. Nehmt ggf. kleine Veränderungen an Eurem Spiel vor, damit es sich noch besser anfühlt.

Vergesst keine guten Ideen

Nehmt Eure Jam Session auf und hört sie Euch einige Tage später noch einmal an. Es ist leichter, die eigenen Ideen zu beurteilen, wenn etwas Zeit vergangenen ist, ihr werdet objektiver hören können, was ihr mögt und was nicht, was funktioniert hat und was nicht. Das muss keine Aufnahme in Studioqualität sein, ein MP3 Recorder wie der Zoom reicht dafür völlig aus. Die Aufnahme dient Euch zudem als wichtige Gedankenstütze, denn so könnt ihr die magischen Momente beim Jammen, dann, wenn alles perfekt ineinander greift, jederzeit reproduzieren und daraus lernen.

Es gibt kein richtig oder falsch beim Jammen

Dies sind nur einige Ideen, die mir zum Thema jammen in den Sinn gekommen sind.
Mein Punkt ist vor allen anderen, dass Struktur beim Jammen hilfreich ist, Spaß zu haben UND produktive Ideen und Einsichten in das eigene Spiel und das Zusammenspiel zu gewinnen. Macht Euch dabei keine Gedanken über richtig oder falsch, denn Jammen ist ein einziges Experiment. Jedes Mal, wenn Du so etwas in Deinem Spiel entdeckst, das nicht funktioniert, das für diese Situation „falsch“ war, hast Du damit etwas entdeckt, dass Du nicht magst und nicht wiederholen wirst.

Hierzu gibt es eine schöne Geschichte über Thomas Edison, den Erfinder der Glühbirne: Edison brauchte angeblich 1000 Versuche, um die Glühbirne zu erfinden. Doch er bezeichnete die 999 Fehlschläge, die dem Erfolg vorangingen, nicht als Fehler, sondern lediglich als 999 Wege, wie eine Glühbirne eben nicht funktioniert.

Du wirst aus seiner Jamsession umso mehr lernen, je genauer Du herausfindest, warum Du bestimmte Dinge spielst, die Dir weniger zusagen als andere und dies künftig vermeidest, je genauer Du für Dich formulieren kannst, was Du magst, als passend empfindest.

Doch bei allem vergiss nie: Jammen soll Spaß machen

 

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